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Ungehört

Wenn Ella spricht, fallen graue Worte aus ihrem Mund, die zuvor noch ein bisschen auf der Zungenspitze tanzen, als wollten sie sagen: »Seht, wie schön wir sind«, doch natürlich schaut gerade niemand hin, um sie zu bewundern, diese hübsch aneinandergereihten Buchstaben in unterschiedlichen Schattierungen. Und dann fallen sie einfach trotzig zu Boden wie lästige Staubkörner, kein bisschen schön oder anmutig. Manchmal hält Ella die Hand auf, um zumindest ein paar von ihnen einzufangen und wieder auf ihre Zungenspitze zu setzen, in der Hoffnung, sie würden wieder tanzen. Doch die Wörter passen nicht mehr zusammen, die Bewegungen sind nicht synchron, sie stehen sich gegenseitig im Weg, kämpfen um den besseren Platz und werden schließlich von der Stille des Rachens verschlungen.

Menschen, deren Münder nur klaffende Löcher in einem Konglomerat aus fahlem Teint, zu viel Schminke und zu wenig Empathie sind, fordern sie auf, doch endlich einmal etwas zu sagen.

Die grauen Staubkörner in ihrer Hand fest umschlossen, öffnet Ella ganz langsam die Handfläche und pustet eine graue Wolke zu den Menschen, deren Gesichter nun für den winzigen Bruchteil einer Sekunde Kontur annehmen. Doch schnell wischen sie sich mit ihren Händen und Pranken über Nase und Wangen, schimpfen, lamentieren und fluchen solange, bis sie gesichtslos sind und mit ihrer Umgebung verschmelzen.

 

 

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