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Roaring Twenties

 

 

 

Roaring Twenties – Einen Roman authentisch schreiben

 

Um einen historischen Roman zu schreiben, bedarf es einer gewissen Planung.

Und man muss (sollte zumindest) eine Menge recherchieren. Ich habe seit bestimmt

zwanzig Jahren davon geträumt, einen historischen Roman zu schreiben, lese ich doch selbst

gerne Bücher, die im viktorianischen Zeitalter spielen oder in den 1920er Jahren. Auch die Zeit um den Ersten Weltkrieg herum finde ich interessant, die 1950er Jahre … hach, es gibt so viele tolle Epochen.

Abgeschreckt hat mich der Aufwand der Recherche und die Angst davor, dem Thema nicht gerecht zu werden.

Für das Erbe von Juniper House habe ich abends oft stundenlang recherchiert, meine Nase in alte Zeitungsartikel gesteckt, Bücher aus der Zeit gelesen, Zeitzeugenberichte gelesen etc. Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Zum einen habe ich sehr viele Dinge gelernt, die zwar nicht alle für meinen Roman relevant waren, aber dafür unheimlich interessant. Zum Beispiel, dass eine Trockenshampoobehandlung 1909 nicht ganz ungefährlich war. Zumindest, wenn man nicht ganz gesund war und die Dämpfe einatmete (Einige Friseurläden sorgten für zu wenig Luftzufuhr)

Zum anderen kamen mir zig neue Romanideen.

Die Online-Recherche war einfacher, weil mein Roman in England spielt und es dort viel mehr Online-Archive, Berichte und Infos über die damalige Zeit gibt als in Deutschland. Interessant waren auch Archive, in denen Zeitzeugen z.B über ihre Schulzeit schrieben oder über die Kinderverschickung während des Zweiten Weltkriegs etc.

Hilfreich war es auch, Serien und Filme zu schauen, die in der Epoche spielen. Die Musik, die Kleider, die Frisuren, all das versetzte mich in die richtige Stimmung für die 20er Jahre.

Und im Hintergrund lief manchmal Musik. Eine meiner Playlists findet ihr unten.

In einer Szene brauchte Emma eine Taschenlampe, und ich musste erst einmal nachgucken, ob es Mitte der 20er schon so kleine handliche Taschenlampen gab.

Auch welche Cocktails damals angesagt waren, habe ich recherchiert, wie peinlich wäre es, wenn ich meine Protagonistin 1925 einen Cocktail trinken lasse, der erst dreißig Jahre später erfunden wird!

Auch habe ich einige wahre geschichtliche Ereignisse mit einfließen lassen, wie den Bombenangriff eines deutschen Zeppelins 1917 in Poplar/London bei dem 18 Kinder einer Schule umkamen.

Obwohl es in meinem Roman nur kurz erwähnt wird, habe ich stundenlange dazu Berichte gelesen, weil es mich wirklich sehr betroffen gemacht hat. Überhaupt hat mir die Recherche über den Ersten Weltkrieg, der eine größere Rolle in dem Buch spielt, deutlich gemacht, wie viel Leid verursacht wurde, und vor allem, wie viele junge Menschen gefallen sind. Natürlich weiß „man“ das, wenn auch nicht die genaue Zahlen. Aber bei der Recherche bekamen die gefallenen Soldaten Namen, ich las Berichte über Angehörige, sah Bilder von jungen Männern, die vor Kriegsbeginn eine Zukunft hatten und nicht wiederkamen. Es ist etwas anderes, wenn man einzelne Schicksale liest, wenn die Zahlen zu Namen werden, zu Familien, deren Leben verändert wurde.

Und viele der Männer kehrten versehrt und traumatisiert zurück, es kam zu Suiziden, zu Familiendramen und die Nachwirkungen des Krieges hatten noch Einfluss auf die nachfolgenden Generationen.

 

 

 

 

 

Playlist:

My regular Girl – Ben Silvin and his Orchestra

Hot & Anxious – Fletcher Henderson

Makin’ Whoopie – Silvio Blonde

Havin’ lots of Fun- Aby Lyman’s Orchestra

Let’s Misbehave – Boilermaker Jazz Band

Happy Feet – Paul Whiteman and his Orchestra

Hotter than E’ll – Fletcher Henderson

Wrap your Trouble in Dreams – Boilermaker Jazz Band

 

 

 

 

 

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