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Miss Olivia und der Geschmack von Gin

Dieses Buch ist bis jetzt wohl mein Lesehighlight des Jahres. Und ich habe dieses Jahr einige sehr gute Bücher gelesen. Darunter Miss Gladys und ihr Astronaut und das Mädchen aus dem Savoy.

 

Olivia gibt ihre Selbstständigkeit auf, nachdem sie einen kleinen Schlaganfall hatte, der zwar ohne körperliche Folgen blieb, ihr aber einen gehörigen Schrecken eingejagt hat. Ihr Sohn Richard, ein Anwalt aus London, überredet sie, in eine Seniorenresidenz zu ziehen. Oakley West hat einen ausgezeichneten Ruf und ein großes Angebot an Freizeitaktivitäten. Einzig ihre kleine Strandhütte fehlt Olivia, die sie zwar behalten darf, auf Drängen ihres Sohnes aber nur noch in Begleitung aufsuchen soll. Olivia jedoch liebt die Einsamkeit morgens am Strand. Und tagsüber hat sie gerne ihre Freunde um sich, die anderen Strandhüttenbesitzer.  Den Tag schließt sie gerne mit einem Gin Tonic in ihrer Strandhütte ab. Doch das ist nun vorbei, denn ihr Sohn fürchtet so sehr, dass seine Mutter am Strand stürzen könnte und dann stundenlang auf Hilfe warten muss, dass er ihr die Ausflüge untersagt. Aber Olivia findet schnell Kontakt in ihrem neuen Zuhause und zusammen mit den Mitbewohnern Randy und Veronica (die im Klappentext fälschlicherweise Victoria genannt wird), finden sie eine Möglichkeit, sich heimlich aus dem Heim zu schleichen. In der Strandhütte schmieden sie dann den Plan, einen Gin Club zu gründen…

Das ist eins der wenigen Bücher, die mich nachts vom Schlafen abgehalten haben, weil ich einfach weiterlesen wollte und dann bis vier oder fünf Uhr früh gelesen habe. Es ist warmherzig und witzig geschrieben. Die Figuren sind glaubwürdig, allen voran Olivia, die mir nach wenigen Seiten richtig ans Herz gewachsen ist. Dann ist da noch das unterkühlte Verhältnis zu ihrem Sohn Richard, dem eine Tragödie zugrunde liegt. Die Freundschaft zu den Strandhüttenbesitzern, die alle viel jünger als Olivia sind, auf die sie sich aber immer verlassen kann, ist einfach schön zu verfolgen. Die heimlichen Ausflüge von Olivia, Randy und Veronica erinnern einen an eigene Klassenfahrten im Landschulheim und zeigen, dass man auch im Alter noch Spaß haben und für seine Träume kämpfen kann. Zwischendurch wird es richtig ergreifend, ohne jedoch auch nur einmal ins Kitschige abzudriften. Ein rundum gelungener Roman über falsch verstandene Sorge, Freundschaft und die Erkenntnis, dass es manchmal besser ist, über Schmerzliches zu reden, als es totzuschweigen.

Lest dieses Buch! Es ist großartig!

 

Miss Olivia und der Geschmack von Gin von 

Catherine Miller, übersetzt ins Deutsche von Katharina Förs und Barbara Steckhan

Insel Verlag

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ina (Dienstag, 25 September 2018 01:18)

    Klingt nach einem schönen Buch. Werde schauen ob unsere Bücherei es hat.

  • #2

    Anke (Dienstag, 25 September 2018 13:06)

    Habe ich tatsächlich gestern gekauft und kann's kaum abwarten mit lesen :-) aber ersteinmal den thriller zuende lesen. :-) :-) :-)